Good Future begann in einem Raum, nicht in einer Vorstandsetage

Am 1. September 2026 fand bei der GoodVibes Foundation in Wien das erste KI-Gespräch von Good Future statt. Es war bewusst keine Unternehmenskonferenz zum Thema KI. Die Frage war grundsätzlicher: Wenn sich KI schneller verändert, als Institutionen sie erklären können – welche Art von Gemeinschaft hilft Menschen dann, handlungsfähig, kreativ und füreinander nützlich zu bleiben?

Wir haben darüber gesprochen, wo wir mit KI tatsächlich stehen, was sich rasch bewegt, was ungewiss bleibt und warum die sinnvolle Antwort weder Panik noch Hype ist. Die Arbeitsidee, die aus dem Raum entstanden ist, heißt Good Future: eine gemeinnützige, KI-native Gemeinschaft, in der Menschen teilen können, was sie lernen und bauen, aus Rohinformation nützliches öffentliches Wissen machen und durch ihren Beitrag wachsen.

Die Website wird das gemeinsame Archiv. Mitglieder werden Links, Papers, Code, Dateien, Projekte und Beobachtungen an einen Agenten von Good Future schicken können. Der Agent hilft, daraus einen Beitrag zu strukturieren; eine menschliche Moderation prüft ihn; freigegebene Beiträge werden hier veröffentlicht und für die Kanäle von Good Future auf LinkedIn, Bluesky, X und Telegram aufbereitet. Mit der Zeit wird ein transparentes Karma-Protokoll messen, wie viel überprüfte Aufmerksamkeit und Nützlichkeit Beiträge erzeugen.

Wir bauen das bewusst öffentlich und in Etappen. Zuerst kommen eine ehrliche Website und eine einfache Mitgliedschaftsebene. Dann folgen der österreichische gemeinnützige Verein und das Gründungsforum in Wien. Danach kommt der Publikations-Agent für Mitglieder. Erst wenn echte Beiträge fließen, schalten wir das Bewertungssystem ein.

Wenn dir daran liegt, KI so zu nutzen, dass Menschen fähiger werden – und nicht bloß abhängiger –, dann ist das der Anfang. Der nächste Beitrag öffnet die Gründungsgemeinschaft.


Der Vortrag: „Where are we, AI-wise?“

Die erste Session war Dr. Ivan S. Novikaus Where are we, AI-wise? — eine öffentliche Landkarte des KI-Fortschritts, der Arbeitswelt und der Chancen, in siebzehn Folien. Das Argument in einem Satz: Die Menschheitsgeschichte kennt eine Handvoll Technologien, die körperliche oder informationelle Macht vervielfacht haben — Ackerbau, Schrift, Buchdruck, Dampf, Elektrizität, Computer, das Internet — und die KI ist die erste, die Denkarbeit vervielfacht.

Danach blieb es konkret. Verändert hat sich vor allem die Schnittstelle: Sie ist zum Gespräch geworden. Früher lernte man die Sprache des Computers, heute lernt er unsere. Was KI bereits kann — lesen, schreiben, programmieren, gestalten, erklären, automatisieren — steht unmittelbar neben dem, was sie noch nicht kann, denn die Grenze verläuft zackig: brillant bei einer Aufgabe und unbrauchbar bei der daneben. Die entscheidende Fähigkeit ist deshalb das Überprüfen, nicht das Prompten. AGI ist ein Zeitraum und kein Datum; Prognosemärkte deuten auf die frühen 2030er, befragte Forschende auf deutlich später. Gemessene Produktivitätsgewinne liegen bei rund 1,2× für alle, die KI für Entwürfe nutzen, und bei 2–3× für alle, die den ganzen Arbeitsablauf neu bauen. Das Signal am Arbeitsmarkt ist bislang zurückhaltendes Einstellen statt Kündigungen, konzentriert auf die Einstiegsaufgaben.

Die Bitte zum Schluss war bewusst klein: eine wiederkehrende Aufgabe auswählen, den ersten Entwurf von der KI holen, sie ihre eigene Arbeit kritisieren lassen, die Fakten selbst prüfen und das Ergebnis als Checkliste sichern. Erst Tempo, dann Qualität, dann ein wiederverwendbares System. Nicht auf AGI warten — mit einem Arbeitsablauf anfangen. Jede Zahl im Foliensatz ist belegt, die Quellen stehen auf den letzten Folien.

Titelfolie: „Where are we, AI-wise?“ — GoodVibes Foundation, 1. KI-Event, Wien
Where are we, AI-wise? — der vollständige Foliensatz, 17 Folien. Zum Öffnen des PDF klicken.

Wie es war

Der Rückblick unten dauert dreiundachtzig Sekunden. Feierlich war der Abend nicht. Der Vortrag kam über die Leitung — vom Pool aus zugeschaltet — während der Raum in Wien zusah. Der zweite Programmpunkt, angekündigt nur als „Mr. π — Mystery Surprise Session, Thema wird beim Event verraten“, entpuppte sich als deutschsprachige Session zur Singularitätsfrage: die fühlende Maschine und der technoide Mensch, Mustererkennung bis ganz nach unten, und eine Folie mit dem schlichten Titel „Ende?“

Der Eintritt war frei, die Kapazität begrenzt, und der Ort war der Bogen an der Spittelauer Lände 12 in Wien. Der Rückblick endet, wie der Abend endete — danke für das erste Mal, das nächste kommt.

Der Rückblick — GoodVibes Foundation, 1. KI-Event, 1. September 2026 (1:23).

Alle Details zur Veranstaltung stehen auf der Event-Seite der GoodVibes Foundation.